Was ist Jabber?

Gerade läuft die Meldung über den Ticker, der Netzwerkspezialist Cisco hätte Jabber übernommen. Jabber ist deshalb interessant, da dieses Unternehmen das Protokoll XMPP maßgeblich mitentwickelt hat.

Wahrscheinlich deswegen wird Jabber noch als Synonym für XMPP genannt, wobei dies irreführend ist, denn das Protokol wird seit längerem von einem Konsortium, der XMPP Standards Foundation, weiterentwickelt. Dieses wird von einer Reihe großer Technologieunternehmen unterstützt, darunter die deutsche Software AG, Hewlett Packard und Google. Der Messenger des Suchmaschinenriesen baut sogar auf dieses Protokoll. Anfang des Jahres kam auch das Gerücht auf, AOL würde sich sich XMPP öffnen.

Inzwischen gibt es eine größere Anzahl von kommerziellen und freien Lösungen, die XMPP nutzen. Ohne Probleme lässt sich damit ein unternehmensweites Chat-System aufbauen oder ein Kundensupport-System. Bibliotheken für eigene Entwicklungen sind für so gut wie jede Programmiersprache verfügbar. Damit sind auch Problemlösungen jenseits von Echtzeitkommunikation realisierbar. Ich denke hier auch an ganz triviale Alltagsprobleme wie die Serverüberwachung …

Gamehotel 2008

Die meisten Menschen in der Online-Branche sind auf Online-Medien fixiert. Wenn es um den Marketing-Etat geht: Scheuklappenmentalität. Dass es sich lohnt, einen Blick rechts oder links der Trampelpfade zu werfen, habe ich soeben wieder einmal (abgesehen von der Tatsache, dass ich ein Fan des gedruckten Wortes bin) an mir selbst erlebt: In der Herbstausgabe von GDI IMPULS wollte ich einen Artikel nachschlagen, da fällt mir eine Anzeige zur Fachkonferenz Gamehotel in Zürich ins Auge. Im Web nach geschlagen - Gefühl: Interessant, da muss ich hin - und Tickets gebucht. Print wirkt also, sogar noch nach einem Jahr.

gamehotel

Persönlich bin ich zwar nicht so der große Gamer - um ehrlich zu sein, momentan spiele ich gar nicht - aber Games als Transportmedium für (Werbe-)Botschaften interessiert mich brennend. Spiele sind aktuell das einzige erfolgreich getestete Trägermedium für Reverse Product Placement.

Der Schwerpunkt der Gamehotel 2008 liegt auf Funware: “Wenn wir Bonuspunkte und Meilen jagen, in Online-Auktionsbörsen den Mitbietern Produkte vor der Nase wegschnappen oder in sozialen Netzwerken unser Profil boosten, erliegen wir der universellen Anziehungskraft von Spielprinzipien.” Ein spannendes Thema also, nicht nur für das Online-Business. Ich werde ausführlich von der Expo & Konferenz berichten.

Es war einmal Kelkoo …

Es war einmal das französische Unternehmen Kelkoo. 1999 wurde es mit 3 Millionen Dollar (damals war der Dollar noch was wert) von Pierre Chappaz und Mauricio Lopez gegründet. Weil man noch Geld in der Firmenkasse fand, kaufte man weitere Unternehmen mit dem gleichen Business Modell, beispielsweise das spanische Dondecomprar oder das britische ShopGenie. Das war im Sommer 2000.

Das Geschäft entwickelte sich prächtig. Es folgten Partnerschaften mit Espotting, MSN und ASK. 2004 schließlich war Kelkoo richtig Geld wert. 485 Millionen Euro legte Yahoo! bar auf den Tisch. Es ging auch noch zwei Jahre recht gut, bis irgend jemand einen fatalen Fehler gemacht haben muss. Aber sehen Sie selbst …

Kelkoo Google Trend

Für Geldvernichtung in guter dreistelliger Millionenhöhe braucht es keine durchgeknallten Investmentbanker, ein SEO reicht auch.

NACHTRAG: Ganz so schlimm ist der Absturz denn dann doch nicht und beruht auch auf einem Switsch zu Y!-Subdomains bzw. nationale TLD. Im Hauptmarkt Frankreich gab es (August 2007 - August 2008) laut Google Trends jedoch immerhin einen Einbruch um ca. 50 Prozent. Der Sprung im Juli 2007 ist hauptsächlich auf die Umgestaltung des Seite kelkoo.com (nur noch Verweise auf die nationalen Portale) zurückzuführen.

Das Aus für unprofitable Startups

In den kommenden Monaten, konkret bis Jahresende, erwarte ich ein Massensterben von Web-Startups, die bis dahin keine schwarze Zahlen vorweisen können. Und selbst etablierte Projekte wird es erwischen. YiGG ist für mich in der Hinsicht ein heisser Kandidat, falls nicht in letzter Minute sich ein Verlag die Community für “nen Appel und ein halbes Ei” einverleibt. Wie komme ich darauf?

Den Investoren geht das Geld aus. Die meisten Geldgeber (ich meine die tatsächlichen Personen, die hinter den Risikokapitalfirmen stehen) sind persönlich betroffen von den Milliardenpleiten. Das Risikokapital war für viele nur Spielgeld, Online-Kasino also. Das werden viele nun wieder in sicherere Investments umschichten, unprofitable Firmenbeteiligungen lässt man in solchen Situationen lieber eingehen.

Warum sind Werbeeinnahmen alleine kein Businessmodel, ausser in ganz wenigen Ausnahmefällen? Werbung ist zyklisch; hier wird zuerst gespart, wenn eine Rezession droht. Besonders gefährdet sind Projekte, die nicht fest im Markt verankert sind, die keinen entsprechenden Bekanntheitsgrad aufweisen können. Und gerade bei Online-Werbung werden viele Projekte aus einem Topf mit der Aufschrift “Schau ma mal” bedient. Zudem darf man nicht vergessen, dass gerade Startups sehr ausgabefreudig sind, ja sein müssen, was Werbung angeht. Nur leider geht gerade diesen (s. ein paar Zeilen weiter oben) finanziell die Luft aus. Die Spirale dreht nun nach unten, deutlich schneller als es nach oben der Fall war.